EinBlick in eine andere Welt

Die Makrofotografie offenbart Einblicke, die uns meist verborgen bleiben.  Schauen wir genauer hin, werden wir vielleicht feststellen, dass nicht der Mensch die Krone der Schöpfung ist. Der Mensch ist lediglich das erfolgreichste Lebewesen der Erde. Er beansprucht für sich den Raum, der für alle vorhanden sein sollte. Er schafft immer wieder neue Herausforderungen, die viele Geschöpfe an den Rand der Existenz drängen. Noch ist es nicht zu spät, vorhandenes Leben zu schützen und Lebensräume wiederherzustellen, die einst für unsere heimische Tierwelt existierten. Eine Voraussetzung ist die, sich selbst ein wenig zurückzunehmen und die Welt, in der wir leben, wahrzunehmen. Wir haben uns so weit von der Natur entfernt – wir bemerken beim täglichen Menschsein nicht, dass wir ohne diese andere Welt in Zukunft nicht existieren können. 

 
Wir vergiften, versiegeln, verschwenden, missachten, entfremden, verschwören, hassen und kämpfen.
Kämpfen können wir eigentlich ganz gut, vielleicht schaffen wir es gemeinsam, für den Erhalt der Artenvielfalt zu kämpfen.

Das Foto zeigt drei schlafende Männchen der Glockenblumen-Sägehornbiene Melitta haemorrhoidalis in einer Glockenblume.
Foto © Anja Eder

Was brauchen Insekten?

Wenn wir adulte Insekten an Blüten entdecken, sammeln diese entweder Nahrung für den Nachwuchs oder sie trinken Nektar zur eigenen Ernährung. Gelegentlich fressen sie auch Pollen. Andere bevorzugen Blattgrün, saugen Pflanzensaft, nagen an Holz oder fressen Pilze, Mehltau oder Dung. Manche sind Räuber, sie fressen andere Insekten und dessen Larven. Einige parasitieren andere Lebewesen und leben von deren Körperflüssigkeiten. Und dann gibt es noch Aas fressende Insekten und einige wenige Allesfresser.

Für viele Insekten ist es schwieriger, geeignete Eiablageplätze zu finden oder den Nachwuchs zu versorgen, als sich selbst zu ernähren. Sie sind an ganz bestimmte heimische Pflanzen oder spezielle Strukturen gebunden; ohne diese können sie keine neuen Generationen hervorbringen.  

Das Foto zeigt einen Distelfalter. Er saugt zur eigenen Ernährung Nektar diverser Blüten. Die Eiablage findet ausschließlich an Disteln oder Brennnesseln statt.
Foto © Anja Eder

Wer frisst was oder wen? Und warum sollte uns das interessieren?

Wir können mit unseren Grünflächen und Balkonen Insekten darin unterstützen, beste Bedingungen für ihre Fortpflanzung zu finden. Dazu ist es wichtig, zu wissen, was sie brauchen. Das wichtigste Ziel jedes Insektes ist es, den eigenen Nachwuchs sicher unterzubringen. Dieser Prozess findet nie zufällig statt, es ist eine hoch komplexe Aufgabe.

Viele Insektenarten legen beispielsweise ihre Eier direkt an Blattlauskolonien ab, da ihre Larven Blattläuse fressen. Unzählige Schmetterlingsarten legen ihre Eier an Süßgräsern ab und nicht am Lavendel, wie es viele vermuten würden. Dort treffen sich die Falter, um Nektar zu trinken. Ihre Eier würden sie hier niemals ablegen. So hilft der gut besuchte Lavendel den Tieren nicht wirklich. Gut zu wissen – oder!

Die folgenden Kurzporträts zeigen anhand einiger weniger Beispiele, wie unterschiedlich die Spezialisierungen ausfallen können.  

Das Foto zeigt die 3-6mm große Goldwespe Omalus aeneus bei der Eiablage. Ihre Eier legt sie in lebenden Blattläusen ab.
Foto © Anja Eder

Pollen-Generalisten / polylektisch

Hummeln wie die hier abgebildete Helle Erdhummel Bombus lucorum gehören zu den unspezialisierten Wildbienenarten. Für ihren Nachwuchs sammeln sie Pollen vieler unterschiedlicher Pflanzen. Als Generalisten sind sie äußerst anpassungsfähig an Veränderungen im Blütenangebot ihrer Umgebung.
Foto © Anja Eder

Pollen-Spezialisten / oligolektisch

Die Distel-Mauerbiene Osmia leaiana ist eine Korbblütler-Spezialistin. Für ihren Nachwuchs sammelt sie ausschließlich den Pollen von Korbblütlern mit einer besonderen Vorliebe für Disteln. Obwohl sie spezialisiert ist, steht ihr eine große Auswahl an Pflanzen zu Verfügung, da die Familie der Korbblütler sehr Artenreich ist. Etwa 30% der Wildbienen leben oligolektisch.
Foto © Anja Eder

Pollen-Spezialisten / streng oligolektisch

Die Hahnenfuß-Scherenbiene Chelostoma florisomne gehört zu den Wildbienenarten, die den Pollen einer einzigen Pflanzengattung für ihren Nachwuchs sammelt. Sie sammelt den Pollen von Hahnenfuß (Ranunculus):  Knolliger-, Kriechender-, Scharfer- und Wolliger Hahnenfuß. Streng oligolektisch lebende Bienen sind vor einer einzigen Pflanze oder einer Pflanzengattung abhängig.
Foto © Anja Eder

Raupenfutterpflanzen-Spezialisten 

Der Aurorafalter Anthocharis cardamines heftet die Eier ausschließlich an Stängel von Kreuzblütlern wie Wiesen-Schaumkraut, Knoblauchsrauke, Silberblatt, Gewöhnliche Nachtviole oder Turmkraut. Fast alle Falterraupen sind Pflanzenfresser, viele Arten sind auf eine oder wenige nahe verwandte heimische Pflanzenarten spezialisiert. Solche Insekten bezeichnet man als monophag.
Foto © Anja Eder

Raupenfutterpflanzen-Generalisten 

Die Raupen der Achateule Phlogophora meticulosa sind polyphag, sie ernähren sich hauptsächlich von den Blättern verschiedener krautiger Pflanzen wie Brennnesseln, Sauerampfer, Farnen und Weiden. 
Foto © Anja Eder

Ernährung durch Pilze

Die erwachsenen Tiere des Pilz-Marienkäfer Psyllobora vigintiduopunctata ernähren sich ebenso wie die Larven mycetophag von Echtem Mehltau.
Foto © Anja Eder

Fleischfresser

Sowohl die erwachsenen als auch ihre Larven des Blattfloh-Marienkäfers Calvia quatuordecimguttata ernähren sich, wie die meisten anderen Marienkäferarten, von Blattläusen und Blattflöhen. Ein großer Teil der Insektenarten lebt räuberisch oder parasitisch von anderen Insekten. 
Foto © Anja Eder

Pflanzenfresser 

Fast alle Schmetterlinge wie der Zitronenfalter Gonepteryx rhamni sind Pflanzenfresser. Ebenso etwa etwa ein Drittel aller Käferarten und 

Zweiflügler. Pflanzenwespen, Bienen, Blattläuse, Blattflöhe, Schildläuse

Zikaden, Kurzfühler- und Gespenstschrecken ernähren sich ebenfalls von Pflanzen.

Foto © Anja Eder

Aasfresser 

Die Gemeine Skorpionsfliege Panorpa communis ernährt sich hauptsächlich von toten und verletzten Insekten. Käfer wie der Gemeine Totengräber und Fliegen wie Fleisch- und Schmeißfliegen gehören zu den aasfressenden Insekten.
Foto © Anja Eder

Allesfresser 

Der Gemeine Ohrwurm Forficula auricularia ernährt sich von Pflanzenmaterial wie auch von Läusen, Milben, Gespinstmotten und anderen kleinen Insekten. Viele Wespenarten und einige Ameisen- und Käferarten sind ebenfalls Allesfresser.
Foto © Anja Eder